Die Antifa-AG an der Uni Bielefeld feiert in der letzten Novemberwoche 2007 ihr 10jähriges Bestehen. Wir wollen uns hier kurz vorstellen und erläutern warum wir einen Grund zum feiern sehen:

Wer sind wir und was machen wir?


Die Antifa-AG hat sich in den letzten Jahren inhaltlich mit verschiedenen Themen befasst. Grob zusammengefasst haben wir uns mit Kapitalismuskritik, Antirassismus, Feminismus, Antinationalismus, Möglichkeiten einer kritischen Solidarität mit emanzipatorischen Bewegungen in anderen Teilen der Welt, der Bekämpfung des Antisemitismus, der Kritik der deutschen NS- und Kolonialvergangenheitspolitiken, Antimilitarismus und der konkreten Anti-Nazi- und Anti-Burschenschafts-Arbeit beschäftigt. Aber auch eine kritische Solidarität mit der globalisierungskritischen „Bewegung der Bewegungen“ und die Kritik der neoliberalen Umstrukturierung der Hochschulen spielten eine Rolle. Da wir hinsichtlich einzelner inhaltlicher Positionen eine recht pluralistische Gruppe sind, gibt es oft viel zu diskutieren! Den größten Schwerpunkt stellt dabei unsere Bildungsarbeit in Form von Infoformationsveranstaltungen inner- und außerhalb der Uni, Tages- und Wochenendseminaren, sowie Exkursionen zu Kongressen und Tagungen dar. Daneben versuchen wir mit unserem offenen Plenum, einem regelmäßigen Café und manchmal Büchertischen in der Halle in der Uni Präsenz zu zeigen. Ansonsten nutzen wir öffentliche Aktionen für die Vermittlung unserer Politik, indem wir Demonstrationen und Kundgebungen unterstützen und selbst organisieren. Schließlich runden gruppeninterne inhaltlich-theoretische Beschäftigung mit verschiedenen Themen sowie Bündnisarbeit mit lokalen und überregionalen Gruppen unsere Tätigkeiten ab.

Warum Antifa an der Uni?

Die Uni ist der soziale Raum, in dem wir uns bewegen. Wir wollen dort aktiv sein wo wir sind. Die Uni stellt sich aber auch als ein Raum dar, in dem sich gesellschaftliche Verhältnisse ausdrücken. Zunächst handelt es sich um einen Raum von Privilegierten in welchem und um welchen herum zahlreiche Ausschlussmechanismen greifen. Wer kommt überhaupt rein in die Uni? Wer kommt nach oben? Wie ist was mit welchen politischen bzw. wissenschaftlichen Inhalten verwoben? Beobachten lässt sich das zunehmende Durchgreifen der ökonomistisch begründeten Verwertungslogik in Forschung und Lehre. Dies geht zurzeit einher mit der Entmachtung der teil-demokratischen universitären Selbstverwaltungsgremien (Stichwort Hochschulrat), der Beförderung der Standortkonkurrenz der Hochschulen und „Eliten-“ bzw. „Exzellenzförderung“. Dabei treten politische Programme, wie z.B. auch in der Sozial- und Gesundheitspolitik, im Sachzwanggewand in Erscheinung. Parallelen zwischen dem Mikrokosmos Uni (Bielefeld) und der Gesellschaft im Ganzen offenbaren sich aber auch in Form der Umstrukturierung des öffentlichen Raumes. Kontroll- und Sicherheitswahn sowie Ausschluss Unerwünschter offenbaren sich in der Bielefelder Unihalle genauso wie in den Innenstädten. Zu beachten und zu kritisieren ist darüber hinaus, dass z.B. Professuren noch immer nur zu einem Bruchteil von Frauen besetzt sind, dass das wissenschaftliche Personal zu 99 % weiß und deutsch ist, während die Toiletten fast nur von MigrantInnen gesäubert werden.

Was heißt „AG“?

Die Antifa-AG ist einerseits Teil des AStAs, da sie kein autonomes Referat ist. Sie besteht aber andererseits als Struktur neben dem Kern-AStA, da sie unabhängig arbeitet und eine gewisse Anonymität ihrer Mitglieder gesichert bleibt, was im Fall der Anti-Nazi-Arbeit nicht ganz unwichtig ist. In der AG kann sich im Gegensatz zum AStA jede_r ohne Amt und Mandat beteiligen. Dadurch ist nicht nur der Zugang für alle Studierenden (und auch Nicht-Studierenden) wesentlich einfacher als im Fall von Stupa und AStA, sondern dies gewährleistet oft auch mehr personelle und inhaltliche Kontinuität.

Und warum nun Geburtstag feiern?

Wir freuen uns darüber, dass es über den Zeitraum von 10 Jahren gelungen ist ein emanzipatorisches politisches Projekt in den Strukturen der studentischen Selbstverwaltung zu etablieren und einigermaßen kontinuierlich politische Arbeit zu machen. Dies ist nichts Alltägliches in der (radikalen) Linken, in welcher viele Zusammenhänge eine kurze Lebensdauer haben. Wir glauben, dass es wichtig ist ein Bewusstsein eigener Geschichte zu bewahren und zu vermitteln, so dass nicht immer alle Kämpfe von vorne geführt werden müssen, sondern Erfahrungen über Erfolge und Misserfolge kollektiv weitergegeben werden. Darum wollen wir, dass es die Antifa-AG unabhängig von uns, die wir momentan in ihr aktiv sind, auch noch weitere 10, 20, 50.. Jahre, geben wird oder eben solange, wie es die gesellschaftlichen Verhältnisse nötig machen.

Wir laden alle die sich mit dem Projekt „Antifa-AG an der Uni Bielefeld“ kritisch und/oder solidarisch verbunden fühlen ein, mit uns in der Woche vom 26.-30. November zu diskutieren und zu feiern.

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